Königsbrücker muss leben!
Über den Ausbau der Königsbrücker Straße wird schon seit fast zwei Jahrzehnten heftig
gestritten. Große Teile der CDU und FDP favorisierten bisher eine extrem breite vierspurige
Ausbauvariante (Variante 5). SPD, Grüne und Linke wollen dagegen einen zweispurigen Ausbau, jedoch mit
überbreiten Fahrspuren und einem weitestgehend eigenen Gleisbett für
die DVB (Variante 4). Aus beiden Varianten ist nun von der Stadtverwaltung eine Mischvariante
erstellt worden (Variante 6). Für diese soll jetzt nach der Sommerpause 2011
eine Entscheidung im Stadtrat herbeigeführt werden!
Weitgehend unbekannt ist jedoch: alle diskutierten Varianten sind absolut schrecklich,
absolut veraltet, absolut stadtteilunverträglich und absolut
überdimensioniert. Alle Planungen schlagen eine trennende Auto-Schneise
zwischen Neustadt und Hechtviertel.
Denn, in allen diesen Ausbauvarianten:
- verdoppelt sich die Gesamtbreite der Fahrbahn von jetzt ca. 10 m auf ca. 20 m
- verbleiben lediglich schmale Gehwege
- werden über 80% des jetzigen Baumbestandes abgeholzt
- fallen über 50% der Parkmöglichkeiten weg
- werden massive Einschnitte in die historischen Vorgärten vorgenommen
- sind erhebliche negative Folgen für Einzelhandel und Gastronomie zu erwarten
Konkret bezogen auf die jetzt vorliegende Fassung:
- fallen alle Parkplätze von der Paulstraße bis zur Stauffenbergallee weg
- fallen alle historischen Bäume vom Bischofsweg bis zur Stauffenbergallee weg
- kann man am Bischofsweg nicht mehr links abbiegen. Der Verkehr soll dann durch Nebenstraßen
(u.a. Hechtviertel, Tannenstraße/Rudolf-Leonhard-Straße!) geleitet werden.
Dabei basieren alle, auch die aktuelle Ausbauvariante, auf längst nicht mehr gültigen
Prognosen und Randbedingungen.
Denn: das Kfz-Verkehrsaufkommen ist in den letzten Jahren
erheblich gesunken und wird auch in Zukunft weiter sinken (siehe Abb. unten).
Außerdem wird die Königsbrücker Straße vom Status einer
Bundesstraße (B97) auf den einer
sonstigen Hauptverkehrsstraße herabgestuft, die Waldschlößchenbrücke
wird Kfz-Verkehr ableiten, Durchgangsverkehr von Lkw (>3,5t) wird verhindert,
eine Pförtnerampel an der Heeresbäckerei wird
den Verkehr auf der Königsbrücker regulieren und Stau zu Spitzenzeiten vermeiden.
All das ist in allen Planungen nicht berücksichtigt!
Eine überbreite Ausbauvariante ist daher verkehrlich nicht notwendig.
Eine deutliche Abnahme der Verkehrsbelastung (Kfz) ist in den vergangenen Jahren bereits
eingetreten. Dieser Trend setzt sich auch in Zukunft fort.
Diese Abnahme des Verkehrs war zum Zeitpunkt der Planungen (2003) noch nicht abzusehen.
(Klick auf das Bild für eine Vergrößerung).
Das Schlimmste aber ist, dass alle Ausbauvarianten keine Rücksicht auf die
Bedürfnisse der in unserem Stadtteil lebenden Menschen nehmen.
Und die Zahl der Bewohner in der Neustadt und im Hecht ist in den letzten Jahren stark gestiegen
(wurden 2005 noch Schulen geschlossen, gibt es mittlerweile einen regelrechten Schulnotstand).
Diese Menschen der Neustadt aber brauchen auch Platz auf der Königsbrücker, damit diese
Straße als Geschäftsstraße funktionieren kann.
So brauchen Gewerbetreibende für ihre Kunden Parkmöglichkeiten in der Umgebung.
Bewohner der Neustadt müssen sicher und
einfach zu Fuß die Straße überqueren können.
Gastronomen und Einzelhändler brauchen Flächen für Tische
und Auslagen. Nutzer der DVB brauchen ausreichende Flächen zum Warten
und Ein- und Aussteigen. Eltern brauchen
Platz für Kinderwagen und ihre kleinen Kinder auf den Fahrrädern. Anlieger müssen
in/aus ihren Einfahrten links
abbiegen können. Kurzum: eine Hauptgeschäftsstraße im Herzen eines Stadtviertels darf keine reine
Stadtautobahn und keine Asphaltwüste sein, sondern muss ausreichend Platz für alle Nutzer bieten!
Aus heutiger Sicht ist wegen des gesunkenen Kfz-Aufkommens und der gestiegenen Anwohnerzahl
eine Sanierung der Königsbrücker weitestgehend im Bestand nicht nur ausreichend,
sondern zwingend geboten. Nur wenige bauliche Modifikationen sind nämlich
notwendig, um die zeitgemäßen Ansprüche an Barrierefreiheit und
Sicherheit,
Verkehrsbewältigung, Luftreinhaltung, Radverkehr, und Komfort zu
erfüllen: eine geringfügige Verbreiterung der Fahrspur, um die Straßenbahn
an Lkw vorbeizuführen,
Anpassung der Abstände der DVB-Gleise an künftige Normen, erhöhte Fahrbahn
und Ampeln an den Haltestellen,
abgesenkte Bordsteinkanten an Kreuzungen und Einfahrten, intelligente
Verkehrsregelungen (z.B. Pförtner-Ampel). Eine solche Sanierung könnte
zeitnäher und preislich günstiger umgesetzt werden als alle
Pläne zu einem überbreiten Ausbau.
Diese Maßnahmen allein reichen verkehrstechnisch aus und bieten dabei eine Reihe von wichtigen Vorteilen.
- Weitgehende Beibehaltung der historischen Straßenbreite und Straßenführung.
Dies ist insbesondere wegen der fast
durchgängig historischen und in Teilen denkmalgeschützten Bebauung dringend geboten.
- Mitbenutzung der Straßenbahnspur durch den Kfz-Verkehr.
Radfahrer werden in den Verkehr integriert und als gleichberechtigter Verkehrspartner wahrgenommen
(gesteigerte Sicherheit bei rechtsabbiegenden Kfz/Lkw, Radfahrer können auch links abbiegen).
- Anwohner, die mit dem Rad Einkaufen wollen, Räder mit Kinder-Anhänger
und radfahrende Kinder haben auf breiten Gehwegen Platz zum
dahinrollen und Abstellen ihrer Räder.
- Weitgehender Erhalt des jetzigen Baumbestands.
- Neugestaltung breiter urbaner Mischnutzungsflächen zum Einkaufen, Verweilen, Flanieren,
Entspannen, auf die Bahn warten, im Cafe sitzen, Parken, Anliefern, ...
- Mehr Fahrgäste für die DVB durch funktionierendes urbanes Leben, komfortables
Ein-/Aussteigen und Warten.
- Erhalt der jetzigen Anzahl an Pkw-Stellplätzen.
- Förderung des städtebaulichen Ziels der urbanen Verdichtung: Arbeiten, Wohnen,
Freizeit soll in der Stadt gebündelt und nicht in der Peripherie zerstreut angesiedelt werden.
- Linksabbiegen aus/in Einfahrten bleibt möglich.
- Vermeidung von Enteignungen
Wir hoffen, dass diese Website dabei hilft, einen städtebaulichen
Supergau wie am Postplatz zu verhindern. Gleichzeitig wollen wir mit den hier
vorgestellten Informationen einen konstruktiven Beitrag zu einer Lösung der
jetzt schon 20 jährigen Blockade bei der dringend notwendigen Sanierung der
Königsbrücker Straße leisten, indem wir mit logischen Argumenten ein
Umdenken bei den sich in ihren ideologischen Schützengräben verrannten
Parteien (alle!) erzielen.
Liebe SPD, Grüne, Linke: überbreit zweispurig ist nicht stadtteilverträglich!
Liebe CDU/FDP: vierspurig ist noch weniger stadtteilverträglich und verkehrlich absolut sinnlos!
Baut das Ding endlich - aber baut es weitestgehend im Bestand!
Königsbrücker muss leben!
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Kontakt: info@koenigsbruecker-muss-leben.de